Unternehmensnachfolge

Die Regelung der Unternehmensnachfolge ist ein brandaktuelles Thema und seit Herbst 2020 ein Arbeitsschwerpunkt im TGZ Prignitz. Mit dem Projekt „AUrA – Authentische Unternehmer*innen Nachfolge mit regionaler Ausstrahlung“, sollen innovative Formate und Lösungswege für die Nachfolgeproblematik der Unternehmen vor Ort entwickelt und konzipiert werden. In der Region stehen mehr als 2000 Betriebsübergänge in den kommenden ein bis fünf Jahren in der Prignitz an, denn viele Unternehmer, die nach der Wende eine Firma gegründet haben, stehen kurz vor dem Rentenalter. Allein in Westbrandenburg werden etwa 7000 Unternehmensnachfolgen bis zum Jahr 2025 gesucht, erklärt die Industrie- und Handelskammer.

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Diana Richter

Wirtschaftsförderung

Tel.: 03877 984 115
E-Mail: diana.richter@tgz-prignitz.de
Rose

Christian Rose

Wirtschaftsförderung

Tel.: 03877 984 275
E-Mail: christian.rose@tgz-prignitz.de
Ausgangssituation

Der Landkreis Prignitz hat knapp 80.000 Einwohner. Ein Wirkraum von etwa 50.000 Einwohnern davon wird hinsichtlich der Wirtschaftsförderung und Regionalentwicklung durch die Technologie- und Gewerbezentrum Prignitz GmbH (TGZ) betreut.

Die Prignitzer Wirtschaft ist durch kleine und mittelständische Unternehmen geprägt. Ein Großteil der regionalen Unternehmer hat vor etwa 25-30 Jahren, nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten, sein Unternehmen gegründet und aufgebaut. In den nächsten Jahren ist demnach damit zu rechnen, dass viele Unternehmer vor der Aufgabe stehen werden, einen Nachfolger/in zu finden, der das Unternehmen zukünftig weiterführt. Die Herausforderung der Unternehmensübergabe betrifft hierbei alle Wirtschaftsbereiche von der Landwirtschaft über Industrie, Handwerk und Handel, dem Tourismus bis zur Gesundheitswirtschaft.

Herausforderung

Eine Nachfolgeregelung ist kein Prozess, der über Nacht abläuft. Man spricht im Schnitt von ein drei fünf Jahren, teilweise auch länger für die Identifikation eines Nachfolgers, für dessen Ausbildung, für dessen Einführung – und für einen Plan B, sollte die Nachfolge scheitern. Vor allem kleinere Unternehmen haben keinen Nachfolgeplan/-konzept und befassen sich meist zu spät mit der Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

Die frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema ist ein wichtiger Faktor für eine gelungene Firmennachfolge. Dabei nehmen digitale Formate und Informationstools eine zunehmende Rolle ein, egal in welcher Branche die Übergabe stattfindet und genau hier setzt das Projekt an. Im TGZ Prignitz sollen die Fäden zusammenlaufen, eine Schnittstelle geschaffen werden, in der sich Übergeber und Übernehmer digital und analog finden. Das TGZ wird mit dem Projekt „AUrA – Authentische Unternehmer*innen Nachfolge“ vom Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen der Initiative „Unternehmensnachfolge – aus der Praxis für die Praxis“ für drei Jahre unterstützt.

Projektziele
frühzeitige und prozessbegleitende individuelle Betreuung von Übergebern und Übernehmern - Verbesserung der Betreuungsqualität von Übernahmeprozessen im ländlichen Raum
Schaffung eines virtuellen, lebendigen Marktplatzes in Form einer digitalen Matching-Plattform - Erhöhung der Reichweite und Sichtbarkeit der Angebote in der Prignitz
Anzahl der potenziellen Übernehmer erhöhen
Young Entrepreneurs und Rückkehrer als neue Zielgruppe für Unternehmensnachfolge erschließen
Authentische, ehrliche und lebendige Vorstellung der Unternehmen und der Menschen dahinter – der Blick hinter die Kulissen mit Hilfe von Videoclips oder 3D Filmen - Qualität der Angebote erhöhen
Aufbau einer virtuellen Wissenscloud zum Thema Unternehmensnachfolge - Wissenstransfer von der Praxis für die Praxis
Zielgruppen
Prignitzer Unternehmer/innen, die in den nächsten 3-5 Jahren beabsichtigen, ihr Unternehmen in andere Hände zu geben
Prignitzer Arbeitnehmer/innen, die für eine Unternehmensnachfolge aufgeschlossen werden können
großstadtmüde Berliner oder Hamburger, die einen neuen Lebensmittelpunkt für sich und ihre Familien in der Prignitz suchen
Intermediäre und Multiplikatoren (IHK, HWK, DEHOGA, Unternehmerverbände
Absolventen und hoch qualifizierte Fachkräfte von Meisterschulen und Hochschulen
Prignitzer, die eine Existenzgründung planen
ehemalige Prignitzer die beabsichtigen, in den nächsten Jahren in die Heimat zurückzukehren.

Zahlen & Fakten

Stand: 09.02.2021

3
Jahre
empfohlener Übergabezeitraum
40 %
der Prignitzer Unternehmer
sind 55+ Jahre alt
5000
anstehende Nachfolgen
in den nächsten 5 Jahren

Fragen und Antworten

Die wichtigsten Fragen kurz und knapp beantwortet.

Welche Möglichkeiten der Firmenübergabe gibt es?
Firmennachfolgen können innerhalb der eigenen Familie stattfinden, indem das Unternehmen an die nächste Generation weitergegeben wird. Bei einer betriebsinternen Nachfolge kennt der Nachfolger das Unternehmen meist sehr gut, hingegen eine betriebsexterne Nachfolge meist durch den Verkauf des Unternehmens in fremde Hände erfolgt.
Wieviel Zeit sollte für die Unternehmensnachfolge eingeplant werden?
Idealerweise sind ein bis fünf Jahre passend, denn eine Nachfolge bereitet man als Abgeber bestenfalls nur einmal vor und die langfristige Planung trägt zum Gelingen dieses Prozesses bei. Die großzügige Zeitplanung gibt allen Beteiligten, Übergeber als auch Übernehmer, die Möglichkeit, fachliche, kaufmännische und auch zwischenmenschliche Belange zu klären, um letztlich einen tragfähigen Konsens zu finden.
Was sind die Vorteile einer Unternehmensnachfolge gegenüber einer Neugründung?
Der größte Vorteil bei einer Firmennachfolge ist die bereits bestehende Etablierung des Unternehmens auf dem Markt. Kunden- oder Lieferantenbeziehung sind aufgebaut, Produkte oder Dienstleistungen sind etabliert. Auch die Mitarbeiter sind ein eingespieltes Team und der Nachfolger kann mit diesem soliden Grundstock seiner neuen Geschäftsführung nachkommen.
Welche Schwierigkeiten zeichnen sich bei einer Unternehmensnachfolge besonders oft ab?
Oftmals treten Schwierigkeiten in den persönlichen Ansichten zwischen Senior und Junior auf. Der Senior kann sein Lebenswerk schlecht loslassen und hat eine differenzierte Wertevorstellungen vom Unternehmen. Die Fortführung des Unternehmens durch den Junior bringt auch Änderungen bzw. Neuerungen mit sich, diesen gegenüber offen zu sein, trägt zum Gelingen der Nachfolge bei.
Bin ich eine Unternehmerperson?
Als geeigneter Nachfolger sollten die persönlichen, unternehmerischen und fachlichen Voraussetzungen zur Fortführung des Unternehmens vorhanden sein. Wichtig zu prüfen ist, ob alle Zugangsvoraussetzungen zur Führung des Unternehmens erfüllt sind, wie z.B. Meisterprüfung und Zertifikate im Handwerk oder die Teilnahme an betriebswirtschaftlichen Weiterbildungen.
Was sind die größten Hürden innerhalb einer Familiennachfolge?
Eine Schlüsselkomponente ist die Bereitschaft des Abgebers sein Lebenswerk loszulassen. Die Bindung an das Familienunternehmen, Angst vor Machtverlust und Leere, Angst in der Gesellschaft und Familie mehr angesehen zu sein, sind oft Ursachen des Verweigerns der Übergabe. Gründe für eine gescheiterte Familienübergabe sind übrigens zu 80% das Nichtloslassen des Seniors. (Studie der Dt. Unternehmerbörse)
Wie bereit sind die eigenen Kinder, den Familienbetrieb übernehmen?
Ein familieninterne Nachfolgelösung wird stets bevorzugt, liegt aber nur zur 45% gleichauf mit der Option, das Unternehmen zu verkaufen. Gründe dafür sind die veränderte berufliche Vorstellung der Kinder und der Fakt, dass durch die geburtenschwachen Jahrgänge zwischen 1990 und 2010 weniger Kinder vorhanden sind.

Liebe UnternehmerInnen,
liebe NachfolgerInnen,

wir bitten Sie uns 12 Minuten Ihrer kostbaren Zeit zu schenken und an der Umfrage zum Thema Unternehmensnachfolge teilzunehmen: https://www.surveymonkey.de/r/Umfrage-Unternehmensnachfolge

Die Umfrage unterscheidet zwischen UnternehmerIn oder NachfolgerIn – die vor, nach oder mitten in der Unternehmensnachfolge stehen und Ihre Erfahrungen teilen möchten.


Mit Ihren wertvollen Erfahrungen ermöglichen Sie uns, einen tieferen Einblick in die aktuellen Nachfolge-Prozesse und unterstützen damit unser TGZ-Projekt.

Die TGZ Prignitz ist im Arbeitsbereich Unternehmensnachfolge ein Kooperationspartner der Hochschule Mittweida.

Die Hochschule führt die Umfrage durch, um Erfahrungen und Schwierigkeiten in diesem Segment zu erforschen. Der Landkreis um Mittweida ist ähnlich ländlich geprägt wie unsere Prignitz. Wir stehen vor den gleichen Herausforderungen in der Unternehmensnachfolge und möchten diese in unserer Region stärken und intensiver unterstützen.

Unser oberstes Ziel ist es, individuelle Unterstützungsangebote für Firmen-Nachfolge zu ermöglichen und damit passgenaue und bedarfsorientierte Lösungen für die Nachfolge-Bedürfnisse zu arbeiten.

Wir sagen DANKE und gern darf der Link weitergegeben werden, wenn Sie potenzielle Umfrageteilnehmer kennen.